Kuba und die freie Welt

Wir schreiben das Jahr 1996 n.Chr. Die ganze Welt ist frei (jedenfalls im Sinne freier Marktwirtschaft)... Die ganze Welt? Nein! Eine Insel an der Südspitze Floridas widersetzt sich hartnäckig dem Trend der Zeit.

Nach Zusammenbruch des Ostblocks und dem Ende der Unterstützung durch die UdSSR sah es so aus, als ob auch die Tage des kubanischen Modells gezählt seien. Doch diese vor allem in den USA gehegten Hoffnungen erfüllten sich nicht. Zwar müssen in Kuba nun Grundnahrungsmittel und Strom rationiert werden. Die Legalisierung des Devisenbesitzes, der eine Spaltung der Bevölkerung in relativ gut versorgte Devisenbesitzer und den von staatlichen Zuteilungen abhängigen Rest bewirkte, war ebenso unvermeidlich, wie die begrenzte Genehmigung von Privatunternehmen und die Kooperation mit westlichen Unternehmen. Doch konnte das kubanische System auf diese Weise trotz einer großen Fluchtwelle stabilisiert werden. Das gefiel den Vereinigten Staaten als Wächter der weltweiten Freiheit gar nicht. Was macht eine Supermacht in so einer Situation? Genau: Sie mobilisiert ihren gigantischen Einfluß in der Weltpolitik, um das bestehende Wirtschaftsembargo zu verschärfen, damit auf Kuba endgültig die Lichter ausgehen. Der Anlaß ist der angeblich völkerrechtswidrige Abschuß von drei Sportflugzeugen, die den kubanischen Luftraum verletzt hatten. Ausgesprochen von Repräsentanten der USA klingt dieses Argument ein wenig zynisch, wenn man sich daran erinnert, daß man dort das Völkerrecht gerne etwas weiter auslegt, um zum Beispiel den frei gewählten sozialistischen Präsidenten von Chile, Salvador Allende zu stürzen, um die Verstaatlichung US-amerikanischer Unternehmen in diesem Land zu verhindern. Es geht also nicht um Völkerrecht oder gar Demokratie (War (ist) der von den USA bis zum Angriff auf Kuwait unterstützte Saddam Hussein etwa ein Demokrat?), sondern um die Wiederherstellung des kubanischen Status als amerikanische Halbkolonie, der vor 1959 (Sieg der Guerilla unter Fidel Castro (Und Che Guevara! - jean)) bestand und US-Konzernen, allen voran der United-Fruit-Company, eine optimale Verwertung der Arbeitskraft seiner Einwohner ermöglichte.

Aber Kuba ist doch eine kommunistische Diktatur, oder?

Eine Diktatur, allerdings eine, die die Interessen der USA sicherte, war Kuba auch vor 1959, nur ging es dem durchschnittlichen Kubaner damals wesentlich schlechter. Vor 1959 lag die durchschnittliche Lebenserwartung auf Kuba bei etwa 30 Jahren, Tuberkulose, ausgelöst durch mangelhafte Ernährung und schlechte Wohnbedingungen, war eine der Haupttodesursachen, die Analphabetenquote lag bei über 90%.

Heute verfügt Kuba über ein in Südamerika vorbildliches Erziehungs- und Gesundheitssystem (laut UNESCO). Die Daten zur Gesundheit der Bevölkerung entsprechen denen eines Industriestaates, Analphabetismus existiert praktisch nicht mehr. Der Zugang zum Gesundheitssystem ist, im Gegensatz zu dem der USA, kostenlos. Allerdings leidet die medizinische Versorgung am stärksten unter dem Embargo. Die Beschaffung von Insulin für die kubanischen Diabetiker ist ausgesprochen schwierig, medizinische Geräte, die in den USA hergestellte Teile enthalten, dürfen nicht nach Kuba geliefert werden.

Vergleicht man das mit den Zuständen in Staaten wie Mexiko oder Brasilien, die jahrzehntelang die Vorteile der "freien Marktwirtschaft" und der Protektion der USA genossen, ist Kuba ein Paradies, denn auch die politischen Strukturen im restlichen Südamerika (z.B. massiver Wahlbetrug in Mexiko, als ein Wahlsieg der Opposition drohte) sind undemokratisch.

Festzuhalten bleibt, daß es den USA nicht um die armen, politisch unterdrückten Kubaner geht, sondern um profitable Anlagemöglichkeiten für US-Kapital. Mit Diktaturen konnten die Vereinigten Staaten schon immer gut leben, sofern sie nicht der Freiheit des Marktes (= der ungestörten Ausbeutung von Rohstoffen und Arbeitskräften) im Wege standen. Falls diese Freiheit aber durch demokratische Kräfte bedroht war, halfen sie auch, wie in Chile, ganz schnell bei der Abschaffung der Demokratie mit.


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