Für eine Handvoll Reis...
Im Herbst letzten Jahres konnten wir einen excellenten Vor-/Beitrag zum "Kampf der Kulturen am Beispiel der Menschenrechte" genießen (sponsered by Adenauer-Stiftung!). Dabei versuchte die Referentin Frau Tomalla davon zu überzeugen, daß der Chinese an sich mehr dem "Wert der Unterordnung" huldige denn dem der Freiheit, der durch den abendländischen Werteimperialismus aufoktroyiert und deshalb kulturfremd sei. Folglich könnten auch die Menschenrechte als nicht globalisierbar für China nicht bindend sein. Da außerdem - wie sie mehrfach betonte - das wichtigste Menschrecht, nämlich das auf "eine Schale voll Reis", in China gewährleistet sei, solle der Westen sich in seiner Kritik zurückhalten und seine Wirtschaftsbeziehungen ausbauen!
Wenn wir dem Fernen Osten nun die eigene kulturell-moralische Entwicklung zugestehen, warum sollen wir dann aber den Aufbau eines hochkapitalistischen Wirtschaftssystems unterstützen, das doch eindeutig abendländischen Ursprungs ist? (Na gut, das erste Geld wurde in China gedruckt!) Die Antwort kann nur sein, daß der Westen nach den Profiten gemeinsamer Wirtschaft giert und dabei jegliches ethische Bewußtsein verliert. Den moralischen Zeigefinger behalte man sich lieber für die "weniger wichtigen Staaten" wie Zaïre, Irak etc. vor, um den französischen Außenminister zu zitieren. In dieser Tradition zeigte sich auch Herr Wessel von der Adenauer-Stiftung, der offen zugab, "daß Deutschland ein Wirtschaftsembargo gegen China zu sehr schmerzen würde" es sei "ja nicht wie Südafrika". Entgegen den Ansichten einiger Mitmenschen entsprechen Handelsbeziehungen zu China nicht einem Wandel durch Annäherung, da eindeutig das Entgegenkommen auf seiten Chinas liegt und es sich seine Wirtschaftspartner aus einer Vielzahl von Interessenten aussuchen kann. Aus der so erwachsenden Machtposition heraus spielt die chinesische Regierung die Verhandlungspartner gnadenlos gegeneinander aus. Unter diesem Aspekt hätte ein kollektiver Boykott durch die europäischen Staaten oder zumindest die von Dänemark vorgeschlagene UN-Resolution sicherlich eine Wirkung gehabt. Diese wurde jedoch in den letzten Wochen durch die Weigerung Frankreichs, Deutschlands, Italiens und Spaniens unterwandert.
Den von Frau Tomalla vielgepriesenen chinesischen Gemeinschaftssinn in allen Ehren, aber folgt daraus notgedrungen die Negation der westlichen Individualitätsrechte? Waren die Dissidenten von 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens keine guten Chinesen, weil sie für die Freiheit des Individuums eingetreten sind? Ihre individuellen Menschenrechte blieben nach Meinung von Frau Tomalla auch weitgehend in den Arbeitslagern und Gefängnissen gewahrt, weil sie sogar dort "eine Schale voll Reis" bekämen.
Diese "Schale voll Reis" spart sich die chinesische Regierung für die 122 allein im letzten Jahr exekutierten Dissidenten.
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