Hey, Christ
... ja genau Du, der Du 98,26% meiner Leser ausmachst, laß mich Dich auf einen Gedankenausflug entführen.
Stell Dir vor, es ist Sonntag und ich gehe in die Kirche. Und stell Dir auch vor, Du gingest ebenfalls in die Kirche. Als nächstes stell Dir vor, der Pfarrer, Priester, oder wie Du ihn auch nennen magst, ist etwas verspätet oder sonstwie kurzzeitig verhindert.
Jetzt komme ich an die Reihe. Ich bin da, Du bist da, der Pfarrer ist nicht da; also nutze ich die Gunst der Stunde und gehe, laufe, schreite nach vorne, dorthin, wo man mich sieht, dorthin, wo man mich hört, denn am Anfang war die Tat (Goethe, nicht Genesis), und ich habe etwas zu sagen.
Ich stehe vor einer Kirche voller - oder zumindest vor ein paar Dutzend - gespannter Christen, darunter auch Dir. Ihr seht mich, ihr hört mich, und ich beginne zu reden. Ich rede über Religion, ich kritisiere sie. Ich verhöhne die Auferstehung, glaubst Du an sie? Ich spreche von Gott, es gibt keinen. Aber ich bin da. Ich stehe in Deiner heiligen Halle und will ihre Fundamente unterspülen. Das ist nicht fair. Das ist nicht nett. Doch was tust Du? Greifst Du nach faulen Tomaten und ebensolchen Eiern? Du wirst wohl kaum welche dabeihaben. Zückst Du Dein Handy und vereinbarst mit dem Anschluß 408-1347 einen Termin für mich? Prügelst Du mich mit einem Kruzifix aus der Kirche hinaus? Oder hältst Du mir eines entgegen und versuchst, mir den Satan mit Weihwasser auszutreiben? Ich glaube kaum. Du wirst mich lieben, vielleicht wirst Du für mich beten, aber Du wirst mich lieben. Einfach so, nicht aus Mitleid, weil Du es besser weißt, und ich armes Schwein schon noch drauf kommen werde, keine Besserwisserei, keine Arroganz, kein Haß, keine Wut. Das ist schön.
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