HEUREKA!

1,3% Selbsttherapie

... gestanden wir uns in der Warnung auf Seite 2 der vierten HEUREKA ein. In Wirklichkeit dürfte dieser Wert um einiges höher liegen. Das Schreiben einer Schülerzeitung bietet einen guten Rahmen für öffentliche Selbstdarstellung. Eine weitere Idee ist bis zur Entstehung der HEUREKA zurückzuverfolgen. Wir begannen einst mit dem holden Ziel die Welt - oder zumindest die kleine Welt des ÖGs - zu verändern. Etwas Leben wollten wir in diese junge, aber scheintote Schule bringen, Diskussionen anregen, zum Hinterfragen und Kritisieren aufrufen. Sehr erfolgreich waren wir damit nicht.

Wir stießen größtenteils auf Unverständnis, das teils auf nicht-verstehen-Können, öfter aber noch auf nicht-verstehen-Wollen zurückzuführen war. Man betrachtete unsere Kritik als zu hart, unsere Satire als zu nah an der Realität, unsere Angriffe als zu persönlich und unsere Art als zu arrogant. Aus der Traum, einmal wie in der Titanic schreiben zu dürfen!

Trotz all dieser Hindernisse und Schwierigkeiten ließen wir dennoch nicht davon ab, unsere Mitschüler und unseren Lehrkörper mit neuen Ausgaben zu quälen. (Für die HEUREKAlightwar unser Wissen und unsere Zeit sogar gut genug, um in den Dienst der Schule gestellt zu werden - auch wenn es dann später wieder Schelte gab.) War die Selbsttherapie wirklich so wertvoll, daß wir für jede Ausgabe wieder Geld- und Zeitreserven mobil machten, nur um dann wieder am Runden Tisch bei Frau Keunecke und ihrem Adjutanten Herrn Meyer zu landen, um die formalen Fehler, nicht aber die wirklichen inhaltlichen Spitzen, vorgehalten zu bekommen? Ich glaube nicht. Neben dem Spaß und der Selbstdarstellung war da auch noch das Moment des 'Neckens', dessen, was der Brite als 'to tease' (to irritate playfully or maliciously with jests, questions, or petty annoyances) beschreibt.

Ich will nicht behaupten, daß wir dieses Spiel formvollendet beherrschten. Unsere Attentate dienten dazu nachzuprüfen, ob sich "da draußen" noch etwas regt. Es regte und regt sich wenig.

Bestenfalls kamen Aufschreie gegen unsere neuesten, noch plumperen Angriffe oder Reaktionen mit der schlichten Eleganz von Sätzen wie "Fuck HEUREKA!". Es scheint, daß sich, trotz unserer bescheidenen Bemühungen, diese Schule in ihrer Ganzheit, also sowohl die Lehrer- als auch die Schülerschaft freudig-sorglos lächelnd in den Zustand zurückbegibt, den Kant vor 200 Jahren als selbstverschuldete Unmündigkeit bezeichnete.

Vielleicht seht ihr das ja auch so. Es verbietet euch keiner, zum Stift zu greifen. Eure Chance!

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ssp