Der Apfel fällt mal weit vom Stamm
Interview mit Frau Opelt
Vor langer, langer Zeit stellte sich Frau Erika Opelt-Stoevesandt freundlicherweise zu einem Interview zur Verfügung. Nicht nur auf die miserable Qualität der Aufnahme des Gespräches, sondern auch auf die chronische Faulheit der Redakteure ist es zurückzuführen, daß das Interview erst jetzt erscheint. Doch lieber spät als nie!
HEUREKA: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Ökumenisches Gymnasium zu gründen?
Frau Opelt: Leute, das könnt ihr alles in dem Heft "Die Vorgeschichte seit 1972 und Jahresberichte 1981 bis 1984" nachlesen, das ich an alle Mitglieder verschickt habe. Vielleicht nur soviel: Erstens gab es zwar einen Behindertenplan, aber seitens der sozialistischen Behörden war kein Gymnasium vorgesehen, das körperbehinderte Schüler aufnehmen konnte. An der Kleinen Helle machte ich Erfahrungen mit völlig unzureichenden Provisorien. Außerdem erlebte ich auch in diesen sogenannten 68er Jahren, die bis weit in die 70er Jahre hinein reichten, daß ein großer Teil des Kollegiums reichlich viel Marxismus unterrichtet hat, von Genosse zu Genosse, wenn ich das mal ganz vorsichtig so ausdrücken darf, und das fand ich nicht so gut. Z.B. stand unter Aufsätzen: "Jetzt endlich hast Du's auch kapiert!" wenn jemand sozialistischen Quatsch geschrieben hat. Das ging soweit, daß Schüler, die von einer staatlichen Schule runtergeflogen waren, weil sie schlecht waren, sofort von der Bremer Uni als ordentliche Studenten aufgenommen wurden. Und das fand ich alles nicht so gut. Und da hab ich irgendwann gesagt, bis hierhin und nicht weiter.
H: An unserer Schule haben wir eher das Gefühl, daß CDU/CSU-Werte vermittelt werden...
O: Das geht auch nicht!! (laut) Grundsätzlich sollte Schule ein politikfreier Raum sein.
H: Oder es sollte Raum für politische Diskussionen sein.
O: Ja natürlich!
H: Wenn man sich anguckt, es wird z.B. der Rheinische Merkur ausgeteilt...
O: Für den Rheinischen Merkur können wir nichts, der flattert uns ins Haus. Der kommt von einem anonymen Stifter und liegt da immer in großen Mengen.
H: Doch gibt es viele Lehrer, die dieses...Blättchen befürworten, und es Schülern zur politischen Bildung an die Hand geben.
O: Naja, schaden tut's ja nichts, man kann sich ja dann die taz daneben holen.
H: Dies ist aber nicht gegeben, und bei politisch ungebildeten Schülern wird durch die Verteufelung des Kruzifix-Urteils maßgeblich Meinung geprägt.
O: Das ist gewiß nicht objektiv. Dieses Urteil wird oft falsch ausgelegt. Verordnet werden kann gewiß nicht, daß ein Kreuz in jeder Klasse hängt
H: Daraus kann man ja den Rückschluß ziehen, daß diese Lehrer sich eine solche Verordnung ebenfalls für das ÖG wünschten.
O: Wobei man unterscheiden muß, ob sich Ökumene, wie wir sie verstehen, auch auf andere Religionen als die christliche bezieht.
H: Was sie bei uns nicht tut.
O: Was sie nicht tut. Weil die konkrete Möglichkeit ja nicht besteht. Wir haben ja auch nur zwei moslemische und zwei jüdische Schüler.
H: Das ist aber vielleicht eine Frage nach Ursache und Wirkung.
O: Daß nicht mehr von den anderen kommen?
H: Ja.
O: Das liegt vielleicht daran, daß Religionsunterricht Pflicht ist.
H: Sollte Religionsunterricht nicht so sein, daß ein breites Spektrum anderer Religionen geboten wird und eher die philosophische Sichtweise betont wird?
O: Ich denke, daß das für die Oberstufe sowieso klar ist.
H: Kommen wir aber noch einmal zur Ursprungsfrage zurück.
O: Also ein Grund war eben die Politisierung der Schule, die einherging mit einem Niveau-Verlust und einer Einbuße an Substanz und rapide sinkenden Leistungsanforderungen. Hierzu gehörte auch das Fehlen des Religionsunterrichtes, den ich für wichtig halte. Das Christentum ist nun einmal eine Säule der abendländischen Kultur.
H: Also wenn bei uns nun auch noch der Religionsunterricht wegfiele, hätten wir auch Anlaß, eine neue Schule zu gründen.
O: Stirnrunzeln Also da muß ich jetzt mal nachfragen, wie ihr das meint.
H: Der fromme Vorsatz des ÖG, nämlich besser auf das Studium vorzubereiten, ist unserer Ansicht nach in vielen Unterrichten auf der Strecke geblieben.
O: Wieso?
H: Das geht beim selbständigen Lernen los und hört bei dem sinkenden Unterrichtsniveau, welches den vielen unintelligenten, aber reichen Schülern angepaßt werden mußte, auf. Sie haben in ihrem Heft geschrieben, daß damals viele Schüler auf Gymnasien waren, die da eigentlich nicht hingehörten. Den Eindruck haben wir bei einigen ... bei mehreren ...bei vielen unserer Mitschüler auch.
O: Stille. Nachdenklich Ja...stimmt... hier und da. Aber die Anpassung?
H: Uns drängt sich das Gefühl auf, daß durch großzügige Spenden, die Schulleistungen einiger Schüler frisiert werden.
O: Energisch Nein! Die Spenden von Eltern tauchen im Schulbetrieb überhaupt nicht auf, das weiß keiner. Natürlich ist das bei Sachspenden wie -Zensur- anders, aber sonst weiß nur ich darüber bescheid.
H: Aber wie schafft es -Zensur- als IQ 20 und ohne jegliche Leistung in die zwölfte Klasse, um dann auf Hüsteln Louisenlund, versetzt zu werden?
O: Das kann ich nicht beurteilen. Da der Fall ja nun vom Tisch ist, solltet ihr zu Frau Keunecke gehen und ihr Eure Ansicht der Dinge schildern.
H: Würden Sie denn sagen, daß Ihre Ziele heute noch in der Schule verwirklicht werden?
O: Stille
H: Oder was wünschten Sie sich anders.
O: Ich wünschte mir, daß die Ökumene stärker verwirklicht würde und daß die Gottesdienste einen anderen Stellenwert hätten.
H: Da ist natürlich Initiative von Schülern und Lehrern gefordert, aber anscheinend stehen da andere Dinge im Vordergrund.
O: Ja, leider.
H: Was hat sich denn durch den Wechsel der Direktion am Schulklima verändert? Ist es schlechter geworden, wie wir finden?
O: Ich kriege natürlich auch Berichte, aber das Klima kann ich nicht beurteilen und ich kann mich dazu auch nicht äußern...Es gab ja auch Schüler, Lehrer und Eltern, die mit mir nicht klarkamen.
H: Wir finden, daß die Außenwirksamkeit der Schule mit scheinheiligen Veranstaltungen in den Vordergrund getreten ist und andere Ideale verdrängt hat. Wie stehen Sie dazu?
O: So schön ich all diese Verantstaltungen finde, sollte man sich vielleicht mehr nach innen besinnen. Hebt einen Apfel hoch: Schön sieht der aus, aber wer weiß, ob der nicht innen faul ist?
Dies ist natürlich ein Auszug eines langen Interviews. Weiterhin erfuhren wir etwas über den Verbleib der Blauen Erika, der Herren Ellerbrock und Widdekind, über die Transparenz von Zensur-en, über die Vergabe von Stipendien und warum Frau Opelt es bedauert, daß die Schule in Oberneuland steht. Alles in allem ein weites Feld.
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