Nicht verbunden...
ist heute kaum noch jemand, denn ohne Verbindung zum multimedialen Datenhighway ist man ja schließlich mega-out.
Der Trend zur Unverbindlichkeit schreitet ungebremst fort. Das fängt bei unverbindlichen Angeboten wie dem Persönlichen Ordnungs-Manager mit 6 Wochen oder der Time Life Rock-Collection mit 10 Tagen Rückgaberecht an, geht über die selbst in katholischen Gegenden mittlerweile erfolgreich überwundene Verbindlichkeit der Ehe bis zu dem ständigen unverbindlichen und falschen Lächeln, das uns der guten Atmosphäre wegen ständig von unseren Mitmenschen ins Gesicht geschlagen wird.
'So weit so gut,' könnte man sagen. Der Mensch hat allen Grund glücklich zu sein. Könnte man sagen, denn die Medaille hat - ganz verbindlich - noch eine Kehrseite.
Auch die restlichen Verbindungen werden gezielt reduziert auf 0190-666666 (für Frauen auch 0130-...) oder ganz ungebundene, quasi schnurlose, Gespräche - mit verbindlichem, dafür aber supergünstigen Dreijahresvertrag, versteht sich. Buchbindungen weichen Taschenbüchern oder gar dem Wunderding CD-ROM, so daß weder die televisionäre Omnipräsenz von Damenbinden noch die inzwischen erfolgreich abgebundenen Gedanken über den im Gegenzug fest angebundenen Geist hinwegtäuschen können.
Was fehlt ist der Mut, sich von den Zielen anderer, die man von ostfront.com, lustmolch.org, bild.de oder den meisten seiner Lehrer bzw. Vorgesetzten so einfach und fertig zusammengeschnürt geliefert bekommt, zu lösen und die Freiheit des Geistes, oder weniger großspurig, der Gedanken zu wagen. "Free your Mind" postulierte M-TV einst, ob vom oder zum Denken, sagten sie vorsichtshalber nicht.
Ob Dead Poet's society oder Pink Floyds The Wall, in beiden wird deutlich, was es bedeutet, eingebunden zu sein. We don't need no thought-control, das "Über-Ich" muß uns nicht zerstören.
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